„Eggerts, wir müssen reden!“ - Heute: Verhinderung von Innovation
Der Begriff Ostrakismus stammt aus dem antiken Athen: Bürger konnten abstimmen, ob eine einflussreiche Person für Jahre verbannt wird. Aristoteles beschreibt dieses Verfahren als Mittel zur Sicherung politischer Stabilität, nicht als Strafe, sondern als präventiven Schutz vor zu viel Einfluss. Was historisch weit entfernt scheint, ist in modernen Organisationen erstaunlich präsent. Heute vollzieht sich ein derartiges Scherbengericht selten offen. Es zeigt sich subtil über das FORMlining: Ideen werden übergangen, Beiträge nicht aufgegriffen, Personen nicht mehr einbezogen. Es ist kein physischer Ausschluss, aber ein kommunikativer.
Hier wird es kritisch, wenn wir auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts schielen: Häufig genug sind es jene Personen, die unbequeme Fragen stellen oder neue Perspektiven einbringen, insbesondere, wenn sie Angebote machen wie: Teams zur Selbstbeobachtung anzuregen, KommunikationsFORMen sichtbar zu machen oder Ambiguität auszuhalten - statt vorschnell zu vereinfachen. Dumm nur: Diese Angebote verlangsamen Prozesse, stellen Gewissheiten infrage und erzeugen Unsicherheit. Sie fordern Bearbeitung gegebener und Erzeugung neuer Komplexität zugleich.
Machen wir es kurz: Sie nerven.
Doch Innovationsangebote im 21. Jahrhundert sind selten „komfortabel“. Sie fordern ein anderes Denken. Die stille Folge: Nicht nur Personen werden ausgeschlossen, sondern auch die Fähigkeit des Systems, sich selbst weiterzuentwickeln. Damit entsteht ein paradoxes Muster: Organisationen sprechen über Transformation, reproduzieren aber ihre eigene Vergangenheit. Ostrakismus moderner Prägung kann man lesen als Verfahren zum Ausschluss von Differenz.