„Eggerts, wir müssen reden!“ - Heute: Organisationen in Metaphern denken
Zwischen Mitarbeiterführung, Teamführung und organisationaler Führung verrutschten manchmal die Ebenen, zum Beispiel in psychologische Deutungen. Dass sich individuelles Trauma auf eine Organisation - genauer: auf ein Kommunikationssystem, das wir hier Organisation nennen – auswirken kann, halte ich keineswegs für abwegig und für eine spannende Frage. Solche Phänomene habe ich im Beratungskontext an Schulen - wenngleich selten - auch schon erlebt. Ob und inwieweit Kommunikation unter bestimmten Bedingungen dysfunktionale Muster ausbildet, ist also durchaus ein Thema. Zugleich sind neben solchen dysfunktionalen Entwicklungen auch andere Varianten denkbar, etwa die Bildung von Resilienz resp. funktionale Anschlussfähigkeit infolge von Schockerfahrungen/Krisen (rund um Schulfusionen mit Wildwuchs, plötzliches Ableben eines Schulleiters o.a.). Organisationen können (sic!) als Kommunikationssysteme dann Muster ausbilden wie etwa dysfunktionale Schleifen, Vermeidungsdynamiken usw. Ich bin im LinkdIn-Post über die Verwendung von Begriffen aus einem medizinisch-psychologischen Kontext gestolpert, etwa Heilung, Trauma oder unbewusst. Diese Begriffe schreiben wir ja in der Regel psychischen und biologischen Systemen zu, nicht Organisationen, die ja schlicht aus Kommunikation bestehen.
Warum ist diese Unterscheidung so wichtig? Weil sie verhindert, dass wir Organisationen psychologisieren („Die Organisation ist traumatisiert“). Psychische Systeme operieren mit Bewusstsein, ihr Medium ist Erleben (Denken, Fühlen, Wahrnehmen, Erinnern, Imaginieren). Psychische Systeme sind strukturell gekoppelt an Kommunikation, aber nicht identisch mit Kommunikation. Im schlechten Falle lenkt das Beraterinnen und Menschen in Organisationen davon ab, auf die organisationalen Kommunikationssysteme zu schielen. Solche Begriffe sind Metaphern, wenn sie auf Organisationen angewandt werden, keine ontologischen Aussagen. Es gibt da im Beratungskontext ja den manchmal ganz hübschen Kunstgriff, eine Organisation in Metaphern bzw. Bilder zu übersetzen (Organismus, Gehirn, toxisch, erschöpft u.v.m.). Die Übertragung in dieses uneigentliche Sprechen mag den Betrachtungswinkel für den Moment weiten, hat aber seine Grenzen. Metaphern sind Türöffner (huch, selbst eine Metapher!), aber auf der Übertragungs- und Vergleichsebene in ihrer Tragfähigkeit, wenn es um Kommunikationssysteme geht, endlich. Das Problem liegt nicht in der Metapher, dem Bild, dem Vergleich als Stilmittel, sondern in der Vermischung von Systemtypen. Kommunikation selektiert, sie fühlt nicht.